Überblick
"Fahrradmaßnahmen bewertbar machen" ist zusammengefasst gesagt das Ziel des Forschungsprojektes. Grundsätzlich wird eine hohe Effizienz des Radverkehrs vermutet. Der Radwegebau verursacht in der Regel weniger Kosten als der Straßenbau. Hinzu kommen indirekte Nutzeneffekte wie Gesundheitsfürsorge und eine Reduktion von Schadstoffemissionen und Lärm durch die Verlagerung von motorisierten Fahrten auf das Fahrrad. Andererseits kann die Unfallgefahr durch vermehrtes Radfahren und die Durchmischung von Pkw- und Radverkehr gesteigert werden. Diese Effekte sollen für den Radverkehr, wie auch für die anderen Verkehrsmittel, quantifizierbar gemacht werden.
Denn bis heute sehen Systeme zur Bewertung von Infrastrukturmaßnahmen, wie z.B. das Bewertungssystem zur Bundesverkehrswegeplanung, keine geeigneten Ansätze für die Bewertung von Radverkehrsmaßnahmen vor. Bewertung bedeutet, dass die Kosten einer Maßnahme den erzielbaren Nutzen gegenübergestellt werden. Der Gesamtnutzen wird dabei in seine verschiedenen Komponenten, wie z.B. Zeitverbrauch im Verkehrssystem, Erreichbarkeiten, Verringerung von Schadstoffen, zerlegt. Die Kosten umfassen in der Regel die direkten Investitionskosten und daraus abgeleitet die Erhaltungskosten.
In dem hier verfolgten Forschungsprojekt soll ein Verfahren zur Nutzen-Kosten-Analyse des Radverkehrs entwickelt werden, das später auch durch bestehende Verfahren berücksichtigt werden kann.
Dazu sind folgende Arbeitsschritte vorgesehen:
- Recherche und Integration von Informationen und Ergebnissen aus anderen aktuell laufenden Forschungsprojekten, Praxistests und der Fachliteratur
- Entwicklung von Lösungsansätzen und eines praxisorientierten Verfahrens zur Bewertung von Radverkehrsmaßnahmen
- Modellhafte Anwendung des Verfahrens zur Unterstützung der Radverkehrsplanung in Kommunen
- Erarbeitung von Empfehlungen an den Gesetzgeber zur Beseitigung von Fehlanreizen im Fördersystem
- Bereitstellung eines Leitfadens zur Anwendung des Verfahrens
Die Städte Berlin und Hamburg sind als Praxispartner in die praktische Umsetzung und Entwicklung des Bewertungsverfahrens mit eingebunden.
Das gesamte Projekt wird zudem durch einen wissenschaftlichen Beirat begleitet. In Workshops werden mit den Projektbeteiligten Zwischenergebnisse diskutiert, um die praktische Relevanz der neuen Bewertungselemente zu gewährleisten und die Akzeptanz durch die Nutzer sicher zu stellen.